Liebe Leserinnen und Leser, Liebe Anhänger von Flavio Simonetti,

fragen Sie 10 Leute in einem Fitness-Club welches Supplement wichtig ist um Muskeln aufzubauen…Sie werden mindestens 8x zur Antwort bekommen:    PROTEIN

Fragen Sie 10 Leute in einem Fitness-Club welches Protein besser ist als das andere, werden Ihnen 5 Leute gar keine Antwort geben können, da für Sie Proteinpulver gleich Proteinpulver ist, 3 Leute werden sich FÜR Wheyprotein aussprechen weil es in der Szene das gängigste und bekannteste Protein darstellt.

Bleiben pro Gruppe jeweils 2 Befragte übrig, von denen Sie vielleicht eine etwas qualifiziertere Antwort erwarten können… mit etwas Glück!

Lassen Sie uns in meinem nun folgenden 2-Teiler einmal auf einige wichtige Unterscheidungsmerkmale zwischen Mehrkomponentenprotein und Whey-Protein eingehen um zu sehen, ob sich unsere Eingangsfrage nach dem „besser“ oder „schlechter“ überhaupt in dieser Art und Weise beantworten lässt und wenn ja wie.

Viel Spaß

Transparenz der Produktzusammensetzung

Mehrkomponentenprotein

Wie der Name schon vermuten lässt, bestehen Mehrkomponentenproteine aus mehreren verschiedenen Proteinquellen. Genau mit dieser Eigenschaft und den daraus resultierenden Vorteilen die sich aus Synergien einzelner Proteinquellen ergeben werden Sie auch beworben.

Leider ist es oftmals so, dass gerade der Name „Mehrkomponentenprotein“ es zulässt, ALLE Arten von Protein einzusetzen und das in jeder x-beliebigen Menge und Gewichtung. Heimtückisch wenn Sie mich fragen, denn damit wird natürlich der Supplement-Industrie Tür und Tor geöffnet, sich durch etwas günstigere Basisproteine generell oder einfach in einer etwas höheren Gewichtung als etwas teurere Proteine eine günstigere Marge zu verschaffen und die Gewinnspanne eines Produktes so anzuheben, ohne auf vermeintliche Veränderungen bei Rezepturen direkt hinzuweisen, da es sich ja weiterhin um ein Mehrkomponentenprotein handelt. Wer sich also für den Kauf eines Mehrkomponentenproteins entscheidet, sollte seine Produktauswahl auf keinen Fall nach dem Verkaufspreis pro 100g treffen, sondern sich immer einen Überblick über die Produktanalyse und damit die enthaltenen Proteinkomponenten inkl. deren eingebrachter Gewichtung pro Sorte zu verschaffen.

Wheyprotein

Bei Wheyprotein existieren (wie wir noch sehen werden zwar auch Untergruppen mit verschiedenen Eigenschaften), letztlich besteht hier aber weitaus mehr Transparenz in Sachen Zusammensetzung als bei Mehrkomponentenprotein.

Ergebnis Transparenz der Produktzusammenstellung

CONTRA Mehrkomponentenprotein

Die Bezeichnung „Mehrkomponentenprotein“ öffnet Tür und Tor für beliebige Konstellationen der Proteinzusammenstellung. Die Eigenschaft und Zusammensatzung sollte deshalb vor dem Kauf unbedingt überprüft werden, um hier nicht auf ein auf den ersten Blick „günstiges“ aber miserables Protein hereinzufallen

Eigenschaften, Aufnahme und Verträglichkeit

Wheyprotein

Egal welches Wheyprotein Sie sich zulegen, die Ausgangszutat ist IMMER ein Milchprotein und hier der Bestandteil Molke. Der Molkeanteil im Milchprotein beträgt in etwa 20%, die restlichen 80% des Milchproteins bestehen aus Casein, dem bekannter Weise in seiner natürlichen Form langsamer verdaulichen Proteinbestandteil in der Milch.

Je nach Herstellungsverfahren erhält man mit dem Kauf einer Packung Wheyprotein ein Proteinkonzentrat unterschiedlicher Reinheit und unterschiedlich schneller Absorptionsgeschwindigkeit. Diese Unterscheidungen gilt es ganz voneinander zu trennen, da Sie sich zwangsläufig auch im Geldbeutel bemerkbar machen werden.

Wheyprotein-Konzentrat liefert von allem Wheyproteinen den geringsten Anteil an Protein der sich zwischen 70 und 80% bewegt. 20-30% entfallen auf Restbestandteile des Ausgangsrohstoffes der Milch, sprich Flüssigkeit, Milchfett und Zuckerbestandteile wie Laktose (einem Zweifachzucker). Wheyprotein-Konzentrat gilt als schnell absorbierbar belegt hier jedoch nicht den Spitzenrang.

Wheyprotein-Isolat wird etwas komplexer hergestellt, ist darum meist auch etwas teurer, liefert aber auch einen sehr hohen Proteinanteil von 90% und mehr. Die Absorptionsgeschwindigkeit ist der des Wheyprotein-Konzentrates überlegen. Spuren an Milchfett oder Milchzuckerbestandteilen sind auch hier noch denkbar, für Probleme hinsichtlich der Verdauung besonders bei Laktoseunverträglichkeit muss die Sensibilität bzw. Intoleranz jedoch schon sehr weit fortgeschritten sein.

Noch einen Schritt weiter geht Wheyprotein-Hydrolisat. Hierbei handelt es sich um ein bereits „hydrolisiertes“ Protein. Hydrolyse ist ein Vorgang der normalerweise erst im Körper im Rahmen der Verdauung stattfindet, weshalb man Wheyprotein-Hydrolisat auch als eine Art „vorverdautes“ Protein bezeichnen kann. Die Eigenschaften liegen dadurch auf der Hand. Wheyprotein-Hydrolisat ist enorm schnell verfügbar und liefert zudem einen sehr hohen Proteingehalt um die 95%. Hydrolisiertes Protein schmeckt säuerlich, bitterlich, enthält aber nur noch, wenn überhaupt, marginale Mengen an Milchzucker die wahrscheinlich selbst für Personen mit einer bestehenden moderat ausgeprägten Laktoseintoleranz zu vernachlässigen sind.

Fazit

Egal für welches Wheyprotein man sich entscheidet, man wird IMMER ein Protein erwerben dessen Ursprung tierischer Herkunft ist, genauer gesagt, welches aus einem Teil der Milch besteht. Generell ist von einer schnellen Aufnahme auszugehen, zu Unverträglichkeiten kommt es wenn dann meist in Verbindung mit Milcheiweiß selbst oder mit Laktose, dessen Gehalt jedoch abhängig von der Wahr der Sorte auf ein Minimum reduziert ausfällt.

Mehrkomponentenprotein

Kaum ein Mehrkomponentenprotein gleicht dem anderen, weshalb hier ein kleiner Einblick in alle gängigen Komponenten dieser Proteinkomplexe notwendig wird um wichtige Unterscheidungen treffen zu können.

Eiprotein

Eiprotein liefert ein gutes Aminosäureprofil und wird mäßig bis schnell verdaut. Studien zur Folge kann der Aminosäurespiegel durch die Aufnahme von 25-30g Eiprotein um 2-3 Stunden erhöht werden. Unverträglichkeiten sind bei Eiprotein sehr selten, möglich sind lediglich leichte Tendenzen zu Blähungen wenn man es mit der Aufnahme übertreibt, da der Anteil schwefelhaltiger Aminosäuren in Eiprotein relativ hoch ausfällt und diese begünstigt.

Casein

Wenn von Casein die Rede ist,  dann in der Regel vom sehr langsam absorbierbaren micellaren Casein oder dem qualitativ minderwertigeren Caseinprotein. Die bedeutend schneller verfügbare Variante des Caseins nennt sich Caseinhydrolisat. Eine mittlere Absorptionsgeschwindigkeit, ansonsten aber qualitativ eher als minderwertig zu betrachten sind die verschiedenen Caseinat-Formen. Hinsichtlich der Verträglichkeit ist zu beachten, dass es sich auch bei Casein um einen Bestsandteil des Milchproteins handelt. Bei Milcheiweißunverträglichkeit ist die Einnahme also kontrainduziert. Auch bei einer bestehenden Laktoseintoleranz können je nach Ausprägung, gewählten Protein und Caseinanteil Probleme auftreten, wobei gute micellare Proteine ähnlich niedrige Laktosewerte aufweisen wie diese in Wheyproteinisolat vorkommen.

Sojaprotein

Der Sojabohne werden als eine der hauptsächlichen Proteinquellen eines Vegetariers und als Rohstoff für die Herstellung von Sojaprotein einige wirklich unschöne Nebenwirkungen nachgesagt, von denen einige sich im Zuge von Studien und Untersuchungen sogar belegen lassen. So stören Bestandteile in der Sojabohne die Proteinaufnahme über enthaltene Proteaseinhibitoren, Sie enthalten Lektine und besitzen somit allergenes Potential, beeinflussen das Testosteron/Östrogen-Verhältnis mitunter durch enthaltene Phytoöstrogene und beinträchtigen nicht zuletzt das Aufkommen an Schilddrüsenhormon negativ. Alles samt Eigenschaften, die man als Sportler eigentlich tunlichst zu meiden.

Bei Sojaproteinkonzentraten gilt es diesbezüglich nun 2 verschiedene Vertreter voneinander zu unterscheiden:

Sojaproteinkonzentrat

Bei Sojaproteinkonzentraten handelt es sich um Produkte mit einem Proteinanteil um die 65% mit einem leider sehr hohen Anteil an Kohlenhydraten, Fetten und/oder sonstigen verdaulichen oder unverdaulichen Bestandteilen die sich teilweise auf die Verdauung und Absorption auswirken können. Hohe Anteile an Sojaproteinkonzentrat machen sich definitiv in der Gesamtanalyse eines Mehrkomponentenproteins über hohe Anteile an Kohlenhydraten und/oder Fett bemerkbar. Mehrkomponentenproteine mit einem moderaten oder hohen Anteil an Sojaproteinkonzentrat stellen NICHT die beste Wahl dar!

Sojaproteinisolat

Sojaprotein nimmt in seiner Darreichungsform als Sojaisolat, wie wir später noch genauer sehen werden,  unter den pflanzlichen Proteinlieferanten zumindest in Sachen Qualität eine Sonderstellung ein. Auch in Sachen Nebenwirkungen, ausgelöst durch Phytoöstrogene, Phytinsäure, Proteaseinhibitoren oder sonstige Bestandteile können Sie getrost eingenommen werden, da die meisten der Bestandteile im Zuge des Herstellungsprozesses entweder verschwinden oder deaktiviert werden. Lediglich von Lektin ausgehende Verdauungsprobleme können weiterhin auftreten. Für Personen die mit Unverträglichkeiten bei Milchprodukten zu kämpfen haben oder eben streng vegetarische Sportler, stellt zumindest die Isolatform des Sojaproteins eine Alternative eines schnell verfügbaren Proteins dar, da eine schnelle Absorptionsgeschwindigkeit in Untersuchungen festgestellt werden konnte.

Reisprotein

Reisprotein punktet als Komponente in einem Mehrkomponentenprotein durch ein niedriges Allergenpotential eine gute Verträglichkeit und einen hohen Gehalt an L-Arginin.  Da Reisprotein jedoch nur mit einer Reinheit von etwa 70% Proteinanteil gewonnen wird, kann man hier davon ausgehen, dass es die Gesamtproteinbilanz eines Mehrkomponentenproteins eher negativ beeinflussen wird.

Erbsenprotein

Gerne verwendet wird in Mehrkomponentenproteinen inzwischen Erbsenprotein. Der Proteingehalt beträgt um die 85% und beinhaltet hohe Mengen Arginin, Lysin und Glutamin. Erbsenprotein ist frei von Gluten und Laktose sowie bedeutender Allergene. Die Absorptionsgeschwindigkeit wird generell langsamer beschrieben als bei Molkenprotein, jedoch schneller als bei Casein. Auch wenn es ein pflanzliches Protein darstellt, sollte ein gewisser Anteil Erbsenprotein grundsätzlich nicht vom Kauf eines Mehrkomponentenproteins abschrecken.

Weizenprotein

Mit Weizenprotein zu arbeiten, deutet bei einem Mehrkomponentenprotein meist auf den Versuch hin, eine gute Marge bei einem Produkt zu erzielen. Die Produktqualität ist schlecht, der Proteingehalt pro 100g ist niedrig und außerdem stellt Weizenprotein für alldiejenigen ein Problem dar die zu Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) neigen. Insgesamt kann die Verwendung von Weizenprotein in einem Mehrkomponentenprotein nicht für gut geheißen werden. Meist stellt die Zugabe lediglich einen kostengünstigen Platzhalter dar.

Kartoffelprotein

Kartoffelprotein wird aus dem Fruchtwasser der Kartoffelknolle gewonnen und entsteht als Nebenprodukt der Herstellung von Kartoffelstärke. Vorteile liegen in einem hohen Anteil an Lysin, Methionin, Cystin und Threonin sowie einer guten Verdaulichkeit (wie Sie vor allem bei Tieren beschrieben wird, da Kartoffelprotein häufiger als beim Menschen hier in der Fütterung verwendet wird). Kartoffelprotein liefert einen Proteingehalt pro 100g von etwa 70-76% (also 70-76g Protein pro 100g) Der Rest setzt sich aus einem kleinen Anteil Fett (1-2,5%), einem sehr geringen Faseranteil (unter 1%) sowie Feuchtigkeit zusammen. Das allergene Potential wird als sehr gering eingestuft. Leider ist Kartoffelprotein schlecht löslich, weshalb es die Gesamtkonsistenz eines Mehrkomponentenproteins durch die Beigabe eher zum Negativen verändert wird.

Fazit

Die in Mehrkomponentenprotein enthaltenen Komponenten liefern allesamt ihre spezifischen Eigenschaften in Sachen Aufnahme und Verträglichkeit. Während der Einsatz einiger Proteinarten wie Sojaisolat, Eiprotein, Casein oder vielleicht noch Erbsenprotein in Mehrkomponentenproteinen sicher Sinn macht, werden andere Proteinarten lediglich als billige Platzhalter beigefügt um den Herstellungspreises zu drücken.

Ergebnis: Absorptionsgeschwindigkeit

PRO Wheyprotein

Wer es auf eine schnelle Absorptionsgeschwindigkeit abgesehen hat, wird kein vergleichbares Mehrkomponentenprotein auf dem Markt finden und sollte sich speziell bei diesem Entscheidungskriterium für den Kauf von Wheyprotein entscheiden.  

Ergebnis: Anhaltende Versorgung mit Protein

PRO Mehrkomponentenprotein

Für eine anhaltende, fortwährende Versorgung mit Protein im Laufe des Tages empfiehlt es sich, ein Mehrkomponentenprotein dem Wheyprotein vorzuziehen.

Ergebnis Verträglichkeit

Unentschieden

Je nach Ausprägung einer Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker (Laktose) kann zumindest Wheyproteinkonzentrat, in seltenen Fällen auch Wheyproteinisolat zu Problemen bei der Aufnahme führen. Wer aus diesem Grund auf ein Mehrkomponentenprotein umsteigen möchte wird jedoch Schwierigkeiten haben ein Produkt zu finden welches gänzlich ohne Milchproteinkomponenten auskommt und muss hier umso besser Produktanalysen studieren. Für sonstige Unverträglichkeiten und Allergien wurden die spezifischen Gegebenheiten einer jeden Komponente so ausführlich beschrieben, dass die Kaufentscheidung hiermit sicher erleichtert werden kann.

Zusammenfassung

Bei der Frage nach dem besseren Protein gilt es immer mehrere Sichtweisen zu berücksichtigen. Teil 1 habe ich dafür verwendet, Unterschiede innerhalb der Produktgruppe Wheyprotein und in Sachen Komponenten bei Mehrkomponentenprotein darzulegen da dies die Basis für die Auswahl des richtigen Proteins für individuelle Zwecke, Gegebenheiten und Zielsetzungen darstellt. Gerade bei Mehrkomponentenprotein bedarf es eines geschulten Auges um vermeintliche Lockangebote von wirklich gut gemeinten und gut durchdachten Matrixen unterscheiden zu können.

In Teil 2 werde ich eingehend auf das Thema Qualität und in diesem Zusammenhang Unterschiede bei der biologischen Wertigkeit zwischen Mehrkomponentenprotein und Wheyprotein eingehen, mich mit Auswirkungen auf das Immunsystem beschäftigen und letztlich noch einige aufklärende Worte zum Thema „Diätprotein“ nieder schreiben.

Bis dahin verbleibe ich mit sportlichem Gruß

Ihr

Holger Gugg

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