Liebe Leserinnen und Leser, Liebe Anhänger von Flavio Simonetti,

Man kann es sich auch einfach machen. Zum Muskelaufbau mehr Kalorien aufnehmen als notwendig und zum Körperfettabbau einfach weniger essen als der Körper eigentlich braucht. WAS man isst und wie sich die Kalorien zusammensetzen ist völlig egal. In der Tat gibt es derartige Ansätze die weder auf die Zufuhr bestimmter Mengen Protein noch auf die Auswahl an Lebensmittel Wert legen. Einzige zu beachtende Vorgabe ist die Kalorienbilanz.

Kann so etwas funktionieren und ist Kalorie wirklich gleich Kalorie?

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Phänomen das sich häufig an sog. Cheating-Days zeigt. Man nimmt absichtlich mehrere tausend Kalorien zu sich, scheint aber aus irgendwelchen Gründen nur einen Bruchteil davon wirklich energetisch zu verwerten.

Hier scheint das Gesetz der festen Kalorie irgendwie außer Kraft zu treten.

Ich habe mir zur Aufgabe gemacht sowohl theoretische Überlegungen als auch Studienergebnisse und praktische Beobachtungen gegenüber zu stellen um abschließend in Teil ein Fazit abgeben zu können wie ich zu dieser Fragestellung stehe.

Viel Spaß

DAS sagt die Theorie

In der Theorie spricht einiges dafür, dass eine Kalorie nicht gleich einer Kalorie sein kann, da es Unterschiede in der Verstoffwechslung von Protein, Fettsäuren und innerhalb der Makronährstoffgruppe der Kohlenhydrate (z.B. Fructose) gibt.

Einer der gewichtigsten Punkte zu dieser Fragestellung befasst sich mit dem thermischen Effekt sowie der tatsächlichen Energie-Effizienz unterschiedlicher Makronährstoffe. Gemeint ist damit die für unseren Körper tatsächlich verwendbare Energie aus derselben Menge Protein, Kohlenhydrate und Fett und gerade hier gibt es große Unterschiede wie beigefügte Darstellung zeigt.

Pfade der Energieproduktio und deren Effizienz

Letztlich geht es immer darum, wie viel ATP im Rahmen der Verstoffwechslung eines Energiesubstrates hergestellt werden können. Bei ATP handelt es sich um die essentielle Energiequelle unseres Körpers in die letztlich alle Substrate umgebaut werden müssen bevor wir Sie als Energie für „Arbeit“ einsetzen können.

Eine große Hausnummer in diesem Spiel ist neben Verlusten die sich im Rahmen von Stoffwechselvorgängen ergeben der sog. Thermic Effect of Food (TEF). Er bezeichnet eine erhöhte Stoffwechselrate die nach dem Verzehr einer Mahlzeit auftritt. Auf gut Deutsch gehen bei der Aufnahme und Verstoffwechslung von Fetten 2% des enthaltenen Brennwerts, bei Kohlenhydraten 7% des enthaltenen Brennwerts und bei Protein sage und schreibe 30% des enthaltenen Brennwertes verloren.

Diese Tatsache macht Fett als Energiequelle nicht nur in Sachen Energiedichte pro Gramm sondern auch in der tatsächlichen Energieausbeute unter Berücksichtigung des TEF zum unschlagbaren Energieträger.

Was geschieht mit den genannten Prozentangaben? Ganz einfach, Sie sorgen für eine kleine aber feine Erhöhung der Körpertemperatur und werden schlichtweg zu Wärme umgewandelt die als diese unseren Körper verlässt.

Im Rahmen des TEF zeigen sich neben der reinen Betrachtung der Makronährstoffverwertung weitere Unterschiede. Studien zeigen, dass der TEF bei sportlichen Personen höher ausfällt als bei unsportlichen Zeitgenossen. Auch die Versorgungssituation verändert den TEF ebenso wie die vorherrschende Körperzusammensetzung. Studien zeigen, dass schlanke Personen (KFA bei Männern unter 13%) im Vergleich zu Adipösen in Ruhe einen 70% höheren TEF aufweisen. Unter Belastung gehen die Unterschiede noch weiter auseinander, wie beispielsweise direkt nach sportlicher Aktivität, wo sich der TEF um 175% erhöht. 30 Minuten nach einer intensiven sportlichen Belastung ist ein um 316% erhöhter TEF messbar.

Fazit

Aus der theoretischen Betrachtung gehen keinerlei Zweifel hervor

EINE KALORIE IST NICHT GLEICH EINER KALORIE

Das Cheating-Paradoxum

Eine Beobachtung, die besonders bei diätenden „Cheatern“ immer wieder gerne auftritt nenn ich im heutigen Artikel das „Cheating-Paradoxum“. Nehmen wir einmal die Situation eines richtigen Cheating-Days an der es erlaubt, wirklich alles in beliebiger Menge aufzunehmen und zwar ungeachtet dessen wie viele Kalorien und welche Makronährstoffverteilung damit erreicht werden. Diätende nehmen an solchen Tagen oftmals mehrere tausend Kalorien auf, erreichen einen kalorischen Überschuss von ebenfalls mehreren tausend Kalorien der unter dem Einfluss von jeder Menge Insulin eigentlich bereitwillig als Überschuss in Muskel- und vor allem Fettzellen geschleust werden müsste.

Was in der Praxis passiert, entbehrt jeglicher dieser theoretischen Überlegungen. Mit gezielt eingesetzten Cheating-Days ist es möglich das Körpergewicht und auch den Körperfettgehalt in bestimmten Situationen nachhaltig zu reduzieren. Wäre eine Kalorie gleich einer Kalorie wäre so etwas nicht möglich aber es ist so! Zurückzuführen ist diese Beobachtung sicher auf mehrere Gegebenheiten, allen voran auch hier auf eine drastische Erhöhung des TEF. Jeder „Cheater“ kennt es, während des Essens wie verrückt zu schwitzen, DAS ist der TEF, eine Verschwendung von Kalorien „par excellence“ statt. Auch Hormone wie Leptin sowie an der Verstoffwechslung beteiligte Enzyme werden an solchen Ausnahmetagen ordentlich durcheinander gewürfelt und tragen ihren Teil zu den Resultaten bei.

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Fazit

Insgesamt zeigt das Cheating-Paradoxum das eine Kalorie niemals gleich einer Kalorie bewertet werden kann.

Resümee

Teil 1 offenbart relativ klare Ergebnisse. Aus der Theorie und einem sehr praxisrelevanten Beispiel ergeben sich klare Unterschiede zwischen Kalorien aufgenommen über verschiedene Nährstoffe, sowie Unterschiede in Sachen Individuum, sportliche Aktivität und letztlich sogar hinsichtlich der Aufnahmemenge an Kalorien in der Gesamtheit. Wäre der Artikel hier zu Ende würde ich ganz klar schreiben das eine Kalorie niemals gleich einer Kalorie sein kann.

In Teil 2 möchte ich aber unbedingt noch die Ergebnisse aus Studien zu Wort kommen lassen, sowie eine weitere interessante Sichtweise in die Recherche mit einbringen, bevor ich mein anschließendes Fazit ausspreche.

Bis dahin verbleibe ich mit den besten Wünschen

Sportlicher Gruß

Holger Gugg

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